Überstunden: Ihre Rechte in der Schweiz
Kompensation, 25%-Zuschlag, Grenzen: Die Regeln zu Überstunden gemäss OR und ArG.
Letzte Aktualisierung : 2026-06-15
Unterscheidung zwischen Überstunden und Überzeit
Das Schweizer Recht unterscheidet: Überstunden (Art. 321c OR): Stunden über der vertraglichen, aber unter der gesetzlichen Höchstarbeitszeit. Überzeit (Art. 12 ArG): Stunden über der gesetzlichen Höchstarbeitszeit gemäss ArG, d. h. 45 Stunden/Woche für Industrie- und Büroarbeiter (Art. 9 Abs. 1 lit. a ArG) oder 50 Stunden für andere (Art. 9 Abs. 1 lit. b ArG).
Überstunden (Art. 321c OR)
Art. 321c Abs. 2 OR sieht vor, dass Überstunden durch Freizeit gleicher Dauer kompensiert werden, mit Einverständnis des Arbeitnehmers. Werden sie nicht kompensiert, müssen sie mit einem Zuschlag von 25% des Lohns vergütet werden (Art. 321c Abs. 3 OR).
Achtung: Art. 321c Abs. 3 OR ist eine relativ zwingende Bestimmung (Art. 362 OR). Der Arbeitsvertrag kann wirksam vorsehen, dass Überstunden im Lohn inbegriffen sind, sofern der Arbeitnehmer dem schriftlich individuell zugestimmt hat. Das Bundesgericht hat jedoch die Tragweite solcher Klauseln eingeschränkt (BGE 124 III 469): Sie sind nur zulässig, wenn der vereinbarte Lohn das Minimum deutlich übersteigt und die Überstunden in vernünftigem Rahmen bleiben.
Überzeit (Art. 12-13 ArG)
Überzeit unterliegt strengeren Regeln. Art. 13 Abs. 1 ArG schreibt einen Zuschlag von 25% für Industrie- und Büroarbeiter vor, deren Überzeit 60 Stunden pro Kalenderjahr übersteigt. Dieser Zuschlag kann vertraglich nicht wegbedungen werden (zwingende Bestimmung). Die Überzeit darf 170 Stunden pro Kalenderjahr nicht überschreiten (45-Stunden-Regime) bzw. 140 Stunden (50-Stunden-Regime) (Art. 12 Abs. 2 ArG).
Der Beweis der Überstunden
Die Beweislast liegt beim Arbeitnehmer (Art. 8 ZGB). Er muss nachweisen, dass er tatsächlich über die vorgesehene Dauer hinaus gearbeitet hat und dass die Stunden notwendig waren oder vom Arbeitgeber angeordnet wurden.
Häufig gestellte Fragen
Kann der Arbeitgeber die Bezahlung von Überstunden verweigern?
Der Vertrag kann vorsehen, dass Überstunden im Lohn inbegriffen sind, aber nur wenn der Lohn das Minimum deutlich übersteigt und die Stunden vernünftig sind. Überzeit über der ArG-Grenze muss immer kompensiert werden.
Wie hoch ist der Zuschlag für Überstunden?
25% des Lohns (Art. 321c Abs. 3 OR). Dieser Zuschlag kann für Überstunden (OR) schriftlich wegbedungen werden, aber nicht für Überzeit über 60h/Jahr (Art. 13 ArG).
Wie viele Überstunden darf man maximal leisten?
Die Überzeit (über der ArG-Höchstarbeitszeit) ist auf 170h oder 140h pro Jahr je nach Branche begrenzt (Art. 12 Abs. 2 ArG). Vertragliche Überstunden haben keine feste gesetzliche Grenze.
Redaktionelle Anmerkung
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information zum Schweizer Recht. Er stellt keine Rechtsberatung dar und ersetzt nicht die Beratung durch eine Fachperson.
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